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Bericht NÖN, 21.11.2006


Bericht im Consilium 07/08 2005
KARL LANDSTEINER GESELLSCHAFT
Medizinisch-wissenschaftliche Arbeit in NÖ
Ein Kurzbericht über ein anspruchsvolles Symposium
Zu einem interessanten Vortrags- und Diskussionsabend über medizinisch-wissenschaftliche Arbeit hat die Karl Landsteiner Gesellschaft am 20. Mai in die NÖ Landesakademie in St. Pölten eingeladen.
25 engagierte praktische, Primar- und Fachärzte konnte Präsident MR Dr. Gerhard Weintögl begrüßen.
In seinem Einleitungsreferat machte der Geschäftsführer der mitveranstaltenden Landesakademie, Universitätsdozent Dr. Karl Sablik , auf einige besondere historische Höhepunkte medizinischer Forschung aufmerksam, zu denen auch Karl Landsteiner gehört.
Da es der Karl Landsteiner Gesellschaft um wissenschaftliche Forschung in medizinischen Fachbereichen geht und sie mit der Gründung von Forschungsinstituten und Forschungsstellen befasst ist, sind ihr Grundlagen- und Grundsatzfragen ein besonderes Anliegen. Darum standen zwei diesbezügliche Referate im Mittelpunkt des Symposiums.
Univ. Prof. Dr. Peter Balcke , Vorstand der 1. Med. Abteilung am Landesklinikum St. Pölten, Leiter des Karl Landsteiner Institutes für Nephrologie und Hämatoonkologie sowie Verfasser zahlreicher einschlägiger Forschungsarbeiten, informierte über Grundlagen medizinisch-wissenschaftlichen Arbeitens. Er zeigte auf, welche qualitativen Ansprüche eine wissenschaftliche Arbeit erfordert. In seiner fundierten Analyse ließ er zwar einige Teilnehmer wegen der Komplexität der Anforderungen zunächst erschrecken, sorgte aber durch seine übersichtliche Präsentation für Klarheit, die Mut macht.
Dr. Anna-Christine Hauser , Leiterin des Karl Landsteiner Institutes für Klinische Prüfungen, beleuchtet in ihren kurzweiligen Ausführungen Grundsätzliches zu Klinischen Studien. Sie verwies auf deren Vielschichtigkeit und die besonderen Aspekte, die für ihre Erstellung unerlässlich sind.
Abgerundet wurden diese Grundsatzreferate durch Kurzbeiträge von Dipl. Ing. Neumann über die Ethik-Kommission, von Primarius Dr. Heinz Jünger über die Medizinisch-wissenschaftliche Gesellschaft NÖ und von Präsident MR Dr. Gerhard Weintögl über die Aufgaben der Karl Landsteiner Gesellschaft.
Info: www.karl-landsteiner.at
27.07.2005/NÖ Consilium 07+08/2005
Medizinische Forschung wird in NÖ verstärkt
Die medizinische Forschung soll in Niederösterreich in Kooperation mit der NÖ Ärztekammer und der 2004 gegründeten Karl Landsteiner Gesellschaft ausgebaut werden.
Mittelfristig werde jedes Krankenhaus seinen eigenen Forschungsschwerpunkt betreuen, erklärte dazu NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Wolfgang Sobotka (V) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Wien.
"Wir sind an der Weiterentwicklung der Spitzenmedizin sehr interessiert", betonte Sobotka unter Hinweis auf das bestehende gute Gesundheitssystem und die Investitionen in den Ausbau der Spitäler im Bundesland. Die neue Kooperation öffne den Weg von der bisher hauptsächlich auf die Donauuniversität Krems konzentrierten Forschungsarbeit in dezentrale Strukturen, was neben der Forschung auch der regionalen Wertschöpfung diene. Zahlreiche Projekte an den spitzenmedizinischen Zentren seien bereits im Gang oder in Planung, führte der Landesrat als ein Beispiel die "Zwettler Hüfte" an, ein von Primar Manfred Weissinger entwickeltes zementfreies Hüftgelenk, das bereits in Österreich, Frankreich und Italien eingesetzt wird.
Lothar Fiedler, Präsident der NÖ Ärztekammer, erläuterte die derzeitige Situation: Obwohl Niederösterreich mit knapp 6.000 die zweithöchste Zahl an aktiven Ärzten in Österreich (nach Wien) aufweise, gab es bisher auf Grund fehlender Einrichtungen relativ wenig Forschung. Einzige bisherige Forschungsstätten waren die Ludwig-Boltzmann-Institute, die jedoch durch eine Systemänderung nicht mehr im gleichen Ausmaß tätig sein können wie früher.
Bereits acht Karl Landsteiner-Institute in NÖ
Diese Rolle übernehmen nun die Karl Landsteiner-Institute. In Niederösterreich sind bereits acht etabliert, weitere sieben in Wien. Die Finanzierung soll durch Forschungsaufträge erfolgen, dazu kommen Mittel der Gesellschaft, Sponsoring sowie Förderungen aus regionalen und EU-Programmen. Die nach dem in Baden bei Wien geborenen Entdecker der Blutgruppen, der 1930 den Nobelpreis für Medizin erhielt, benannte Karl Landsteiner Gesellschaft bildet die organisatorische Grundlage und dient zugleich als zentrale Anlaufstelle für die Ärzte, führte Präsident Gerhard Weintögl aus. Die Gesellschaft hat ein Büro im "Tor zum Landhaus" in St. Pölten eingerichtet (http:www.karl-landsteiner.at).
Fiedler verwies auch auf einen für die Standesvertretung besonders wichtigen Aspekt: Dezentrale Forschungsarbeit werde die Berufschancen für jüngere Ärzte erhöhen. Bisher sei es für Ärzte, die ihre klinische Laufbahn ausschließlich in einem niederösterreichischen Krankenhaus absolvierten, nahezu unmöglich gewesen, in leitende Funktionen (Primariate) zu gelangen.
© NÖN-Online 2005
Karl Landsteiner-Gesellschaft forciert medizinische Forschung in NÖ
Sobotka: Dezentralisierung kommt Patienten zugute
Die im Vorjahr gegründete Karl Landsteiner-Gesellschaft, deren Name auf den in Baden geborenen Nobelpreisträger zurückgeht, wird in Zukunft die medizinisch-wissenschaftliche Forschung in Niederösterreich forcieren. Das wurde heute bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt gegeben.
Dies entspreche voll der NÖ Maxime, die Gesundheitsversorgung zentral auf den Patienten auszurichten, freute sich dabei NÖGUS-Vorsitzender Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka über die neue Forschungskooperation. Habe es schon bisher an einzelnen niederösterreichischen Häusern Forschungsschwerpunkte gegeben, die sich auch sehr gut bewährt hätten, bereite die neue Kooperation nun den Boden für eine Dezentralisierung, die anwendungsorientierte Forschung in allen Häusern ermögliche. Die Forschungskooperation diene den Häusern, der Forschung und sei ein wesentlicher Beitrag, die Forschungsentwicklung dem Patienten zugute kommen zu lassen. Zudem werde die regionale Wertschöpfung angeregt.
Für die Karl Landsteiner-Gesellschaft (mit Sitz im Tor zum Landhaus in St. Pölten) hielt deren Präsident, Med.Rat Dr. Gerhard Weintögl fest, dass die Gesellschaft in Anlehnung an die Ludwig Boltzmann-Institute als Dachorganisation für 15 bereits bestehende bzw. noch zu gründende Institute fungiere. 8 der Institute befinden sich in Niederösterreich - 4 in St. Pölten und je eines in Mistelbach, Langenzersdorf, Angern an der March und Gars am Kamp. Auch ein europäisches Netzwerk befinde sich im Aufbau, eine Außenstelle in Warschau existiere bereits.
Aufgabe der Gesellschaft ist die wissenschaftliche Forschung in medizinischen Fachbereichen und damit zusammenhängenden Forschungsgebieten durch Gründung von Forschungsinstituten und Forschungsstellen. Unterstützt wird die Gesellschaft durch das Land Niederösterreich, die Donau-Uni Krems, die Ärztekammer für Niederösterreich sowie Sponsoren.
Seitens der NÖ Ärztekammer betonte Präsident Dr. Lothar Fiedler, dass vermehrte wissenschaftliche Tätigkeit auch die Berufschancen für jüngere Ärzte erhöhe. Ohne entsprechende Forschungsarbeit sei es bislang etwa aus einem Landeskrankenhaus nicht leicht möglich gewesen, einen Dozentenposten zu erhalten. Die Karl Landsteiner-Gesellschaft biete nicht nur den 2.500 NÖ Spitalsärzten, sondern auch den niedergelassenen Ärzten unter den insgesamt 6.600 NÖ Ärzten eine organisatorische Grundlage und zentrale Anlaufstelle für wissenschaftliche Tätigkeit.
Nähere Informationen bei der NÖ Ärztekammer unter 01/537 51-221, e-mail Presse@arztnoe.at
Kontaktperson: LAD1/Pressedienst presse@noel.gv.at
(letzte Änderung am 18.5.2005)
© Land Niederösterreich Impressum
Impulse für medizinischen Fortschritt
Medizinischer Fortschritt ist Grundlage des Gesundheitssystems - Landsteiner Gesellschaft ist wichtiger Impulsgeber
"Die Karl Landsteiner Gesellschaft als Förderer der medizinisch-wissenschaftlichen Forschung ist ein wichtiger Impulsgeber für den medizinischen Fortschritt! Mir ist sie daher auch ein wichtiges Anliegen - umso mehr freut es mich, wenn hier von allen Seiten die Bedeutung dieser Gesellschaft erkannt wird", so Niederösterreichs Gesundheitslandesrat Emil Schabl. Durch die Gründung von Forschungseinrichtungen und Forschungsstellen wird die wissenschaftliche Forschung in medizinischen Fachbereichen und zusammenhängenden Forschungsgebieten gefördert. "Eine optimale Gesundheitsversorgung ist nur dann möglich, wenn sich Diagnose und Behandlung, aber auch die ständige Evaluierung des Gesundheitssystems ausschließlich an den neuesten medizinischen Erkenntnissen orientieren", so Schabl weiter.
"Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckt sich vor allem auf das Bundesland Niederösterreich, sie wird daher sowohl materiell als auch ideell vom Gesundheitsreferat des Landes Niederösterreich, aber auch von der NÖ-Ärztekammer und der Donauuniversität Krems unterstützt. Durch diese Zusammenarbeit auf breiter Basis können die Synergien optimal genutzt werden und die gewonnenen Erkenntnisse kommen den Menschen in unserem Land unmittelbar zu Gute. Durch die Institute sollen aber keine Parallelstrukturen geschaffen werden. Sie sollen vielmehr auf die Basis von Partnerschaften zu existierenden Einrichtungen gestellt werden. Die abgedeckten Forschungsbereiche sind dabei vielfältig und reichen vom Institut für Ökonomie und Qualitätssicherung in der Chirurgie bis hin zum Institut für Schlaganfallmanagement oder dem Institut für klinische Prüfung und sollen in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Damit ist die Karl Landsteiner Gesellschaft ein weiterer wichtiger Pfeiler, der die optimale Gesundheitsversorgung in unserem Bundesland nicht nur garantiert, sondern Niederösterreich zu einem Zentrum des medizinischen Fortschritts macht", so Schabl abschließend.
NÖ Consilium 04/2005
Karl-Landsteiner-Gesellschaft
2005-04-08 14:28:36 Barbara Platl
Seit einem Jahr existiert nunmehr die Karl-Landsteiner-Gesellschaft in NÖ. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die Aktivitäten des 1. Arbeitsjahres.
Bei unserer Gründungsversammlung im März 2004 wurde zunächst der Vorstand der Gesellschaft gewählt. In der Folge wurde in mehreren Sitzungen eine grundsätzliche Struktur der Gesellschaft erarbeitet, die Grundzüge zur Errichtung von Instituten festgelegt und auf dieser Basis die Gründung von Instituten vorgenommen.
Derzeit wurden folgende Institute bewilligt :
- Institut für Ökonomie und Qualitätssicherung in der Chirurgie Prof. Salem Institut für Systematik in der Allgemeinmedizin Dr. Kamenski Institut für Gesundheitsökonomie Prof. Schwarz Institut für Nephrologie und Haemato-Onkologie Prof. Balcke Institut für Schlaganfall-Management Prof. Brainin Institut für Impfwesen und Infektionsepidemiologie Prof. Kollaritsch, Dr. Eder Institut für Medizinrecht Prof. Memmer, Prof. Stellamor Institut für Klinische Prüfungen Dr. Hauser Institut für Qualitätssicherung und interdisziplinäre Medizin DDr. Seiler Institut für Implementierung neuer herzchirurgischer Techniken Prim. Kassal Institut zur Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen Prim. Mayr Institut für Krebsforschung und Zytokine Prof. Schwarzmeier Institut für Telemedizin Dr. Truppe Institut für Gerostomatologie und interdisziplinäre Zahnheilkunde Prof. Slavicek, Prof. Fischer
Für folgende Institute läuft noch das Bewilligungsverfahren :
- Institut für schulterchirurgische Forschung Dr. Schwarz Institut für herz- u. gefäßchirurgische Forschung Dr. Grabenwöger, Dr. Meinhard Institut für Qualitätssicherung computerunterstützter diagnostischer Verfahren - Prim. Jesch Institut für Qualitätssicherung und Patienteninformation Kallinger, Prihoda Institut für Adipositaschirurgie Doz. Lechner Institut für Schmerztherapie Prim. Kepplinger
Daneben wurde der Verbesserung unserer Infrastruktur gearbeitet: in den ersten Monaten konnten die notwendigen Arbeiten mit der büromäßigen Unterstützung durch die NÖ Ärztekammer erledigt werden.
Seit 1.1.2005 verfügen die Gesellschaft nun durch das Entgegenkommen unseres unterstützenden Mitgliedes „Fa. Meditec“ über ein eigenes Büro in St. Pölten am Standort „Tor zum Landhaus“ mit der Adresse: Karl Landsteiner Gesellschaft, Rennbahnstrasse 29, Stiege C, 2. Stock, 3100 St. Pölten.
Darüber hinaus steht seit Anfang Jänner mit Katharina Strommer eine Geschäftsführerin zur Verfügung, die in einem Anstellungsverhältnis von 10 Stunden pro Woche die nötigen und anfallenden Arbeiten für die Gesellschaft erledigen wird.
Hinsichtlich eines öffentlichen Auftrittes wurde die Erstellung einer Webseite in Auftrag gegeben, die unter http://www.karl-landsteiner.at/ eingerichtet ist.
Um die finanzielle Grundlage für diese Vereinsstrukturen zu schaffen, ist die Gesellschaft auf Mitgliedsbeiträge und auf Sponsoren angewiesen, da die öffentliche Hand bisher eine Unterstützung versagt hat.
Aus diesem Grund wurde mit Herrn Mag. Frey einen Vertrag abgeschlossen, der sich bemühen wird gegen eine geringe Provision Sponsoren für die Karl Landsteiner Gesellschaft zu gewinnen.
Somit scheint die Voraussetzung für eine kontinuierliche Entwicklung unserer Gesellschaft gegeben, um die medizinisch wissenschaftliche Forschung zu unterstützen.
Jahresprogramm 2005
Kontinuierlich werden nun die Leistungsvereinbarungen mit den einzelnen Instituten abgeschlossen, sodass diese unter dem Dach der Karl Landsteiner Gesellschaft wissenschaftlich arbeiten können.
Parallel dazu werden mit dem NÖGUS Gespräche geführt, um Anwenderbeobachtungen bzw. Studien in einer gesetzeskonformen Vorgangsweise über die Landsteiner Gesellschaft abzuwickeln, das vorgesehene Honorar aber dennoch den Mitarbeitern an der Studie zukommen zu lassen.
In Zusammenarbeit mit dem Fortbildung sreferat der Ärztekammer sollen mehrere Vorträge organisiert werden, die sich mit dem Thema „Medizinisch-wissenschaftliche Arbeit“ beschäftigen sollen und folgende Bereiche abdecken werden:
- wie muss eine medizinisch-wissenschaftliche Arbeit aufgebaut und durchgeführt sein, damit sie kritischer Beurteilung standhält? Statistische Grundlagen Mögliche Unterstützungen und Kooperationspartner für medizinisch-wissenschaftliche Arbeit
MR Dr. Gerhard Weintögl
Präsident
Karl Landsteiner Gesellschaft
Bürostunden: Mittwoch 9 14 Uhr (und nach Vereinbarung).
Kontakt: Telefon: 02742/258958 32, Fax: 02742/258958 31
e-mail: sekretariat@karl-landsteiner.at
2004-11-13 09:00:04 Barbara Platl
Seit 2004 verfügt nun endlich auch Niederösterreich über eine eigene medizinische Forschungsgesellschaft. Das, was über lange Jahre österreichweit die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft war, wird in NÖ nun in Form der Karl-Landsteiner-Gesellschaft neue Impulse im Bereich der medizinischen Forschung bringen. Mitinitiator und Präsident der Karl-Landsteiner-Gesellschaft ist der ehemalige langjährige Präsident der NÖ Ärztekammer, MR Dr. Gerhard Weintögl. In einem Interview erklärt er die Hintergründe, Aufgaben und Absichten dieser innovativen Forschungsgesellschaft.
Consilium: Wie kam es eigentlich zur Gründung der Karl-Landsteiner-Gesellschaft?
Weintögl: Früher gab es doch einige Ludwig-Boltzmann-Forschungsstätten, die teilweise nur aus wenigen Personen bestanden. Seit der Neuausrichtung der Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft soll es nur mehr Institute mit einer Mindestmitarbeiterzahl von zehn Personen geben. In NÖ haben wir jedoch kein einziges medizinisches Institut, das zehn oder mehr Mitarbeiter hat. In Wien wird es vielleicht das eine oder andere derartige Institut geben. Somit wäre eine medizinisch wissenschaftliche Arbeit in NÖ auf dieser Ebene unmöglich gemacht worden.
Consilium: Weswegen? Es kann doch jeder wissenschaftlich arbeiten.
Weintögl: Das schon, aber Forschung benötigt erstens das nötige Know How und zweitens Geld. Um Geld zu lukrieren bedarf es einer Einrichtung, die vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt wird denn nur dann sind Förderungen an diese für finanzierende Unternehmen auch steuerlich absetzbar. Um also auch zukünftig Ärzten, die wissenschaftlich tätig sein wollen, entsprechende Rahmenbedingungen schaffen zu können, haben wir die Karl-Landsteiner-Gesellschaft ins Leben gerufen.
Consilium: Welche Formen der Forschung werden über die Karl-Landsteiner-Gesellschaft zukünftig abgewickelt bzw. unterstützt werden?
Weintögl: Ganz unterschiedliche. Ein Beispiel: Ein Institut wird derzeit von Prof. Salem geführt und heißt „Ökonomie in der Chirurgie“. Hier werden beispielsweise Untersuchungen durchgeführt, welche Kosten eine Blinddarmoperation an verschiedenen Krankenhausabteilungen verursacht. Daraus sind durchaus interessante Daten zu erfahren. Dabei wird auch untersucht, welches Material für Primär- bzw. Sekundärheilungen günstiger ist - und die Ergebnisse werden in eine allgemeine Kostenrelation gebracht. Ein anderes Institut, das sich gerade etabliert, nennt sich „Institut für Recht in der Medizin“. Fast alle diese Einrichtungen erhalten von Sponsoren oder Finanziers Geld, um wissenschaftlich arbeiten zu können. Dies ist jedoch nur möglich, wenn es einen entsprechenden Dachverein gibt - und den bietet die Karl-Landsteiner-Gesellschaft.
Consilium: Wie entstehen derartige Forschungsarbeiten?
Weintögl: Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Sie können von Universitäten ausgehen, aber auch aus Privatinitiativen entstehen. NÖ hat aber noch ein anderes Spezifikum. Wenn man heute eine leitende Position in einer Spitals-Abteilung einnehmen möchte, ist es nahezu zwingend erforderlich, auch wissenschaftlich gearbeitet zu haben - und entsprechende Arbeiten vorlegen zu können. Aus meiner Erfahrung im Landessanitätsrat, in dem ich ja jahrelang tätig war, weiß ich sehr genau, dass niederösterreichische Kollegen zwar über enorme praktische Erfahrung verfügen dokumentiert beispielsweise durch einen vollen OP-Katalog - aber keine wissenschaftlichen Arbeiten durchführen konnten. Dies hat oft dazu geführt, dass fachlich grundsätzlich hervorragend geeignete Persönlichkeiten seitens des Landessanitätsrates nicht mit „ausgezeichnet“ bewertet wurden und damit auch nicht zum Zug kamen. In NÖ haben wir darüber hinaus keine medizinische Universität, weshalb wir auch nicht die entsprechenden Strukturen für wissenschaftliche Arbeiten vorweisen können. Die Karl-Landsteiner-Gesellschaft möchte vor allem durch die Zusammenarbeit mit Donauuniversität Krems - auch das entsprechende Know How für die korrekte Durchführung wissenschaftlicher Arbeiten bieten.
Consilium: Die Gesellschaft soll also eine Art Qualitätssicherung im medizinisch wissenschaftlichen Bereich Niederösterreichs bilden?
Weintögl: Ja, das ist eine der Zielsetzungen. Deshalb haben wir auch um die Kooperation mit der Donauuniversität angesucht, denn dort weiß man natürlich exakt, wie man wissenschaftlich arbeitet. Wir würden uns auch wünschen, dass Studiendesign von wissenschaftliche Arbeiten vorher durch uns begutachtet werden kann, damit wir feststellen können, ob der Aufbau der Studie passt, oder ob es noch Korrekturen geben sollte. Es ist aber durchaus auch möglich, dass Institute, die Forschungsarbeiten durchführen, direkten Kontakt beispielsweise mit Forschungseinrichtungen auf Universitäten suchen, um eine qualitätsgesicherte Struktur der Studien zu sichern.
Consilium: In den Ludwig-Boltzmann-Einrichtungen gab es 7-Jahres-Zyklen - bis dahin sollte also eine Arbeit abgeschlossen sein und nicht weitergeführt werden. Wie ist das in NÖ geplant?
Weintögl: Anders. Bei uns sind durchaus auch kurzfristige Arbeiten wünschenswert - und das Institut kann bestehen, solange es möchte. Ich bin sicher, dass es Arbeiten geben wird, die ein bis zwei Jahre, aber auch solche, die zehn und mehr Jahre dauern werden. Diese Möglichkeiten sollten offen bleiben.
Consilium: Worin unterscheidet sich nun die Karl-Landsteiner-Gesellschaft von Ludwig-Boltzmann-Einrichtungen?
Weintögl: Die Ludwig-Boltzmann-Gesellschaft verfügt über eine lange Tradition und über relativ viel Geld. Sie kann ihre Institute daher auch finanziell unterstützen. Die Karl-Landsteiner-Gesellschaft hat noch kein Geld und muss sich erst um Sponsoren kümmern. Sie ist somit vorläufig nur eine Dachgesellschaft von Instituten, die für ihre wissenschaftliche Tätigkeit kein oder wenig Geld benötigen oder sich selbst Sponsoren suchen.
Consilium: Wer sind die handelnden Personen?
Weintögl: Die Karl Landsteiner Gesellschaft wurde auf Initiative von Univ.-Prof. Prim. Dr. Georg Salem und Prof. MR HR Dr. Robert Fischer von der Donauuniversität ins Leben gerufen. Es wurde dann ein Vorstand gewählt, der mich zum Präsidenten und Herrn Univ.-Prof. Prim. Dr. Rudolf Slavicek zum Vizepräsidenten gewählt hat. Als weitere Mitglieder des Vorstandes finden sich Univ.-Doz. Dr. Karl Sablik von der Landesakademie, KR Dr. Eberhart Pirich von der Wirtschaftskammer, Dr. Gerald Eder von der Donauuniversität und den Prim. Dr. Heinz Jünger von der medizinisch wissenschaftlichen Gesellschaft NÖ sowie Präs. Dr. Lothar Fiedler als Vertreter seitens der Ärztekammer.
Consilium: Wenn ich als initiativer Arzt nun selbständig wissenschaftlich tätig werden möchte, was muss ich tun?
Weintögl: Zunächst einmal müssen Sie einen entsprechenden Projektplan erstellen. Danach muss die Person schauen, dass sie zu Geld kommt wobei wir in Zukunft dies gerne von der Landsteiner-Gesellschaft unterstützen werden und dann ist die Studie abzuschließen und wird danach über die Landsteiner Gesellschaft in einem entsprechenden Medium publiziert.
Consilium: Wenn man sich um alles selbst kümmern muss - wozu braucht man dann die Landsteiner-Gesellschaft?
Weintögl: Vermutlich werden Sie nur dann Geld bekommen, wenn Sie über einen Verein abrechnen können, welcher für den Sponsor auch eine steuerliche Absetzbarkeit bietet. Eine Privat- oder Einzelperson kann dies nicht bieten.
Consilium: Wie sehen die Ziele der Karl-Landsteiner-Gesellschaft aus?
Weintögl: Relativ einfach. Wir wollen die medizinische Forschungsarbeit in NÖ fördern. Dies liegt zurzeit nämlich brach - weil es eben keine entsprechenden Strukturen gibt. Zweitens wollten wir auch dem Mittelbau in den Krankenhäusern eine Karrieremöglichkeit geben. D. h. Spitalsärzte sollen noch während ihrer Ausbildungszeit wissenschaftlich arbeiten können und dann, wenn sie sich um Primariat bemühen, auch eine entsprechende bessere Bewertung im Landessanitätsrat bekommen. Oder sie sollen sogar gänzlich eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen können.
Consilium: Und wie werden die Tätigkeiten der Karl-Landsteiner-Gesellschaft dokumentiert?
Weintögl: Es wird zukünftig jährlich Jahresberichte der Landsteiner-Gesellschaft geben, in der die wesentlichen Punkte aus diesen Arbeiten publiziert werden.
Consilium: Waren Sie selbst jemals wissenschaftlich tätig?
Weintögl: Nein, weil mir auch das Know How dazu fehlt - obwohl ich dies gern getan hätte, da ich der Meinung bin, dass in der Allgemeinmedizin sehr gute Grundlagen für wissenschaftliche Arbeiten bestehen. Aber den Allgemeinmedizinern fehlt zum größten Teil das Wissen, wie man wissenschaftliche Arbeiten anlegt, damit sie nachher auch kritischen Prüfungen standhalten können.
Consilium: Gibt es Bereiche, die Sie als besonders forschungswürdig empfinden würden?
Weintögl: Ich möchte mir nicht zumuten, dies zu beurteilen. Ein Manko, das jedoch sicherlich besteht, sind Anwenderbeobachtungen von neuen Medikamenten. Man soll Patienten dabei nicht zu Versuchskaninchen abstempeln. Ich spreche von Anwendungsbeobachtungen von bewährten Präparaten, die notwendig sind, um dieses Präparat dann auch in Österreich einzuführen. In NÖ werden derartige Studien derzeit kaum durchgeführt und wir sind aufgefordert hier gemeinsam mit dem NÖGUS entsprechende Maßnahmen zu setzen, um auch auf diesem Gebiet in NÖ up to date zu bleiben.
Consilium: Kann man dabei nicht zum willfährigen Handlanger der Industrie werden?
Weintögl: Keineswegs. Es gibt ein Medizinproduktegesetz, ein Apothekergesetz, es gibt eine Ethikkommission. Hier existieren ganz strenge Richtlinien, wie derartige Arbeiten abzulaufen haben. Nur laufen sie nicht ab, weil es derzeit in NÖ keine entsprechenden Rahmenbedingungen dafür gibt.
Consilium: Gibt es solche Einrichtungen in anderen Bundesländern auch?
Weintögl: In jenen, in welchen es Universitäten gibt, selbstverständlich. Dort tut man sich relativ leicht. In anderen Bundesländern sind mir derartige Einrichtungen nicht bekannt.
Impuls für medizinische Forschung in Niederösterreich
Karl Landsteiner Gesellschaft fördert wissenschaftliche Initiativen
Krems (kpr.) Ein neuer Verein zur Förderung der medizinischen Forschung soll wissenschaftliche Initiativen in Niederösterreich bündeln. Die Karl Landsteiner Gesellschaft (KLG), benannt nach dem Entdecker der Blutgruppen, hat bereits drei Institute gegründet, die in den Bereichen Ökonomie in der Chirurgie, Grundlagen und Systematik in der Allgemeinmedizin sowie Gesundheitsökonomie arbeiten. Unterstützt wird die KLG von der Niederösterreichischen Landesregierung, der Ärztekammer für Niederösterreich und der Donau-Universität Krems.
HR Prof. Prim. MR Robert Fischer, Leiter des Zentrums für Management und Qualität im Gesundheitswesen der Donau-Universität Krems, und ao.Univ.-Prof. Dr. Georg Salem, Primarius der chirurgischen Abteilung des Zentralklinikums St. Pölten, haben die neue niederösterreichische Forschungsgesellschaft vor dem Hintergrund der Schließung kleinerer Ludwig Boltzmann Institute ins Leben gerufen. Seit der offiziellen Vereinsgründung im Jänner 2004 wurden bereits drei Karl Landsteiner Institute gegründet, ein Institut für Ökonomie in der Chirurgie, ein Institut für Grundlagen und Systematik in der Allgemeinmedizin und ein Institut für Gesundheitsökonomie. Sechs weitere Institute, die vorwiegend in Krankenanstalten situiert sind, befinden sich derzeit in der Gründungsphase. Karl Landsteiner Institute werden befristet eingerichtet. Im Gegensatz zu ähnlichen Forschungseinrichtungen gibt es keine Größenvorgaben für die Institute.
Medizinischer Beirat sichert Qualität der wissenschaftlichen Arbeit
„Im Bereich der medizinischen Forschung sind natürlich auch bereits andere Akteure tätig. Wir wollen hier keine Konkurrenz aufbauen, sondern partnerschaftlich mit bestehenden Einrichtungen zusammenarbeiten und Synergien nutzen“, betont MR Dr. Gerhard Weintögl, Präsident der Karl Landsteiner Gesellschaft und ehemaliger Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich. Das hohe Niveau der wissenschaftlichen Arbeit werde durch kontinuierliche Evaluierung und mithilfe eines medizinischen Beirats in Zusammenarbeit mit der Donau-Universität Krems sichergestellt. Ein wichtiges Anliegen ist der Gesellschaft auch die Praxisorientierung der Forschungsprojekte. Die Ergebnisse sollen direkt umsetzbar sein.
Ideell und materiell unterstützt wird die KLG von der Niederösterreichischen Landesregierung, der Ärztekammer für Niederösterreich, der Donau-Universität Krems sowie von verschiedenen öffentlichen und privaten Sponsoren. Spendengelder für den Verein sind für Unternehmen steuerlich absetzbar. (27.10.04)
Bild: MR Dr. Gerhard Weintögl, ehemaliger Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich, ist Präsident der Karl Landsteiner Gesellschaft.
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>> MR Dr. Weintögl
>> Original-Presemitteilung
Information
HR Prof. Prim. MR Robert Fischer
Telefon: +43 (0)2732 893-2603 bzw. +43 (0)676 61 53 834
Fax: +43 (0)2732 893-4602
E-Mail: robert.fischer@donau-uni.ac.at
Internet: http://www.donau-uni.ac.at/zqsg
Adresse:
Donau-Universität Krems
Zentrum für Management und Qualität
im Gesundheitswesen
Dr.-Karl-Dorrek-Straße 30
A-3500 Krems