Leitung
Abt. f. Anästhesie u. Intensivmedizin
4020 Linz, Fadingerstraße 1
Stellvertretung
Arbeit am Institut
Die perioperative Medizin stellt ein integratives, patientenzentriertes Versorgungskonzept dar, das sämtliche medizinischen Maßnahmen im zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang mit einem chirurgischen Eingriff umfasst. Sie reicht von der strukturierten präoperativen Risikoevaluierung und Optimierung bestehender Komorbiditäten über die intraoperative Steuerung physiologischer Parameter bis hin zur postoperativen Überwachung, Komplikationsprävention und funktionellen Rehabilitation. Damit beinhaltet sie die gesamte diagnostische, therapeutische und monitorbasierte Begleitung chirurgischer Patient*innen mit dem Ziel, Morbidität und Mortalität nachhaltig zu beeinflussen.
Traditionell erfolgte die Betreuung operativer Patient*innen in einer sektoralen und disziplinär klar abgegrenzten Struktur. Die Verantwortlichkeit für die intraoperative Phase lag primär bei der Anästhesiologie, während prä- und postoperative Aspekte anderen Fachgebieten zugeordnet wurden. Dieses fragmentierte Modell basierte unter anderem auf der Annahme, dass anästhesiologische Interventionen vorwiegend den unmittelbaren intraoperativen Verlauf determinieren. Aktuelle wissenschaftliche Evidenz widerspricht dieser Sichtweise jedoch deutlich. Zahlreiche Studien belegen, dass Faktoren wie hämodynamische Stabilität, individualisierte Volumentherapie, perioperatives Temperaturmanagement, Analgesiestrategien oder die Vermeidung inflammatorischer Stressreaktionen signifikanten Einfluss auf postoperative Komplikationsraten, Organfunktionsstörungen, Infektionsrisiken sowie auf das Langzeitüberleben haben können. Die Anästhesiologie wird damit zu einem zentralen Akteur in einem erweiterten perioperativen Gesamtkonzept.
Vor diesem Hintergrund schließt das Karl Landsteiner Institut für perioperative Medizin eine wesentliche strukturelle und wissenschaftliche Lücke. Es verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, in dem chirurgische, internistische und anästhesiologische Expertise systematisch gebündelt wird. Der Fokus liegt auf der Entwicklung, Evaluation und Implementierung evidenzbasierter, standardisierter Behandlungspfade entlang des gesamten perioperativen Kontinuums. Hierzu zählen unter anderem strukturierte Prähabilitationsprogramme, individualisierte Risikostratifizierung, optimierte intraoperative Managementstrategien sowie standardisierte postoperative Überwachungskonzepte.
Ein zentrales Ziel ist die Generierung objektivierbarer, reproduzierbarer Therapieansätze auf Grundlage klinischer und translationaler Forschung. Durch prospektive Datenerhebung, Outcome- Analysen und qualitätsgesicherte Implementierungsstrategien sollen wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar in die klinische Praxis überführt werden. Dabei steht nicht die isolierte Betrachtung einzelner Prozessschritte im Vordergrund, sondern die systemische Optimierung des gesamten operativen Behandlungsprozesses. Das übergeordnete Ziel besteht in der nachhaltigen Reduktion perioperativer Komplikationen, der Minimierung organbezogener Funktionsstörungen sowie der Verbesserung patientenrelevanter
Endpunkte wie Lebensqualität, funktionelle Erholung und Langzeitüberleben. Die perioperative Medizin versteht sich damit als eigenständiges, evidenzbasiertes Querschnittsfach, das durch interdisziplinäre Kooperation und wissenschaftliche Exzellenz wesentlich zur Weiterentwicklung der operativen Medizin beiträgt.
Das Karl Landsteiner Institut für perioperative Medizin trägt mit 3 Pfeilern zur Weiterentwicklung der perioperativen Medizin bei.
Die Durchführung klinischer Studien ist ein zentrales Element moderner Medizin, da sie die wissenschaftliche Grundlage für sichere, wirksame und nachhaltige Behandlungsstrategien schafft. Insbesondere in der perioperativen Medizin, in der zahlreiche Einflussfaktoren gleichzeitig auf Patientinnen und Patienten wirken, ist eine systematische und methodisch hochwertige Evidenzgenerierung essenziell.
Aus- und Weiterbildung sind essenzielle Säulen einer qualitätsgesicherten, evidenzbasierten Medizin. Wissenschaftliche Erkenntnisse entfalten ihren Nutzen für Patientinnen und Patienten nur dann, wenn sie korrekt interpretiert, kritisch bewertet und konsequent in die klinische Praxis implementiert werden. Dieser Transferprozess ist nicht selbstläufig, sondern erfordert strukturierte Vermittlung, methodische Kompetenz und kontinuierliche Fortbildung.
Mit der „Zukunftswerkstatt Gesundheit“ wird ein interdisziplinäres Forum geschaffen, das den strukturierten, kritischen und lösungsorientierten Dialog zwischen Mediziner:innen, Gesundheitspolitiker:innen, Entscheidungsträger:innen im Gesundheitswesen sowie Patient:innen ermöglicht. Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven systematisch zusammenzuführen und komplexe gesundheitspolitische Fragestellungen evidenzbasiert zu diskutieren.
Veranstaltungen & Webinare
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12. Anästhesie Forum
17.-18. April 2026 | Brucknerhaus in Linz
Thema Anästhesie – Tradition und Innovation
Hier geht’s zur Einladung -
Zukunftswerkstatt Gesundheit
Freitag, 19.03.2026 | HYPO Oberösterreich, Linz
Transplantationsmedizin im Wandel: Wie sichern wir die Zukunft der Versorgung in Oberösterreich?
Hier geht’s zum Fotorückblick
Institutseröffnung

Am 26. September 2025 wurde das neue Karl Landsteiner Institut für perioperative Medizin am Ordensklinikum Linz feierlich eröffnet.
Unter der Leitung von Prim. Prof. Dr. Kurt Rützler widmet sich das Institut drei wichtigen Bereichen: Forschung, Weiterbildung und den Zukunftsfragen der Medizin.
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Gruppenfoto
