Karl Landsteiner Gesellschaft

Institut für implantierbare elektronische Hörsysteme

Leitung
  • Prim. Univ. Prof. Dr. Georg Mathias Sprinzl
    Universitätsklinikum St. Pölten
    HNO Abteilung
    3100 St. Pölten, Dunant-Platz 1
    georg.sprinzl@stpoelten.lknoe.at
    T. 02742/9004 11501
Zentrale Fragestellungen und Begründungen, Stand der Forschung und der eigenen Arbeiten und methodische Zugänge und theoretische Untermauerungen:

Semi-Implantierbares Hörgerät Vibrant Soundbridge zur Rehabilitation der Hochtoninnenohrschwerhörigkeit

Prof. Dr. Klaus Böheim, Dr. Alexander Nahler, Log. Max Schlögel
HNO Abteilung, Landesklinikum, A-3100 St. Pölten, Österreich

Problemstellung:
Trotz neuer Entwicklungen im Bereich der modernen konventionellen Hörgeräte ist die Rehabilitation der Hochtonschwerhörigkeit mit diesen Systemen problematisch. Für Patienten mit mittel- bis hochgradigen Hochtoninnenohrschwerhörigkeiten besteht besonderes Risiko für einen Okklusioneffekt, der bei nur geringgradiger Tieftonschwerhörigkeit als besonders störend empfunden wird. Dieser Effekt führt zur Verfälschung der eigenen Stimme, zur Maskierung und zu störenden Kaugeräuschen. Die Verstärkung im Hochfrequenzbereich ist - bedingt durch physikalische Limitationen konventioneller Systeme und der physiologischen Gegebenheiten – oft nicht ausreichend und führt zu Verzerrungen. Darüber hinaus haben diese Patienten besondere Schwierigkeiten bei Verstehen in geräuschvoller Umgebung. Für diese spezielle Patientengruppe bietet die Vibrant Soundbridge audiologische Vorteile. Durch die Platzierung des Transducers (FMT) im Mittelohr vermeidet man das Verschließen des Gehörganges und kann gleichzeitig rückkopplungsfrei hohe Verstärkungen bis in den Hochfrequenzbereich (bis 8 kHz) erreichen. Tiefe Frequenzen werden durch den freien Gehörgang natürlich gehört.

Patienten und Methoden:
Die Vibrant Soundbridge wurde in 30 Fällen (3 bilateral) über einen retroaurikulären Zugang implantiert und der FMT wurde über eine posteriore Tympanotomie mit der Titaniumklemme am langen Ambossschenkel ohne Verwendung von Klebern oder Zement befestigt.
Der Audioprozessor wurde zwischen 4-8 Wochen postoperativ angepasst und nach Habituation entsprechend nachjustiert. Die funktionelle Verstärkung wurde bei allen Patienten entsprechend dem Hörverlust in einem komfortablen Bereich angepasst.
In allen Fällen wurden die vom Hersteller vorgegebenen Indikationskriterien eingehalten. Das reintonaudiometrische Indikationsfeld wurde im Tieftonbereich (500Hz) mit einem Puffer von mindestens 15dB zum oberen Limit (65dB HL) berücksichtigt. Im Hochtonbereich (4-8kHz) lag der Hörverlust in 6 Fällen in mindestens einer Hochtonfrequenz außerhalb des oberen Limits.
Die Resultate umfassen Messungen der prä- und postoperativen Hörschwellen mittels Reintonaudiometrie über Kopfhörer, des funktionellen Hörgewinnes im Freifeld mittels Schmalbandrauschen, der Einsilberverständlichkeit in Ruhe mittels Freiburger Einsilber (DIN 45621) sowie der Einsilberverständlichkeit im Störgeräusch mittels Döring-Test bei einem Signalrauschabstand (SNR) von 5dB und 20dB.
Die Rehabilitation mit der Vibrant Soundbridge von Patienten mit einem Hochtonabfall wurde gesondert untersucht. Der Hochtonabfall wurde als Steilabfall von mindestens 25 dB/Oktave (Frequenzverdoppelung) in einem Frequenzbereich zwischen 1 und 8 kHz festgelegt.
Die Funktionstüchtigkeit des Impantatsystems sowie die intakte Ankoppelung über den gesamten Frequenzbereich von 250 bis 8000Hz wurden mittels rückwärtiger Übertragungsfunktion intraoperativ und postoperativ gemessen.

Ergebnisse:
Es traten in keinem der 30 Fälle intra- oder postoperativen Komplikationen auf.
Das Restgehör konnte bei allen Fällen erhalten werden. Das Aufladen der Gehörknöchelchenkette mit dem FMT bewirkte keine signifikante Hörschwellenveränderung bei 0.25, 0.5, 1, 2, 3, 4, 6 und 8k Hz > 5dB.
Der individuelle Hörgewinn konnte entsprechend dem bestehenden Hörverlust angepasst werden.
Der durchschnittliche funktionelle frequenzabhängige Hörgewinn betrug 8dB/250Hz, 20dB/500Hz, 27dB/1000Hz, 32dB/2000Hz, 31dB/3000Hz, 31dB 4000Hz, 34dB/6000Hz und 34dB/8000Hz.
Die durchschnittliche Einsilberverständlichkeit in Ruhe konnte um 40 bei 65dB SPL und 30 Prozentpunkte bei 80 dB SPL gegenüber dem unversorgten Zustand verbessert werden.
Das durchschnittliche Einsilberverständlichkeit im Störgeräusch konnte mit Vibrant Soundbridge um 17 Prozentpunkte bei einem SNR von +5dB und um 22 Prozentpunkte bei einem SNR von +20dB verbessert werden.
Zwölf/30 Fällen zeigten einen Hochtonabfall. Diese Fälle zeigten einen größeren Hörverlust im Hochtonbereich und einen geringeren Hörverlust im Tieftonbereich im Vergleich zu den restlichen Fällen.
Der durchschnittliche funktionelle frequenzabhängige Hörgewinn war im Hochfrequenzbereich höher als bei den restlichen Fällen und betrug 37dB/2000Hz, 34dB/3000Hz, 36dB 4000Hz, 38dB/6000Hz und 44dB/8000Hz.
Mit der Vibrant Soundbridge konnte das durchschnittliche Einsilberverständnis in Ruhe um 20 Prozentpunkte bei 65 dB SPL verbessert werden.
Das durchschnittliche Einsilberverständnis im Störgeräusch konnte um 15 Prozentpunkte bei +5dB SNR (konstantes Rauschen bei 60dB SPL) verbessert werden.
Dementsprechend vergrößerte sich der Faktor des Hörgewinnes von 1,4 in Ruhe auf 1,9 im Störlärm.

Schlussfolgerung:
Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Vibrant Soundbridge besonders leistungsstark im Hochtonbereich ist und dass diese Eigenschaft eine verbesserte Rehabilitation des Sprachverständnisses bei der Hochtonschwerhörigkeit ermöglicht.

Arbeit am Institut

Medizinische, chirurgische, audiologische und technische Evaluation von diversen implantierbaren elektronischen Hörsystemen (Cochlea-Implantate, aktive elektronische Mittelohrimplantate, Knochenleitungsimplantate) bei PatientInnen mit ein- und beidseitigen Hörstörungen (Schallleitungsstörungen, Schallempfindungsstörungen, kombinierte Hörstörungen) unterschiedlichen Grades (von geringgradiger, mittelgradiger, hochgradiger, an Taubheit grenzender Hörstörung bis zur Taubheit) basierend auf umfassender Diagnostik, Therapie und multiprofessioneller Rehabilitation.

Forschungsprogramme:
  • „EAS in patients with significant residual hearing- long term results
  • „Intraoperative ABR in patients with residual hearing
  • The Vibrant Soundbridge VORP 503 Post-market clinical follow up study”
  • Quality of life in bilateral users of the Vibrant Soundbridge active middle ear implant”
  • „Cochlear implantation in single sided deafness in adults- sound localization, and     speech perception in difficult noise conditions“
  • „Benefit of children with single sided deafness after cochlear implantation - sound localization and speech perception in difficult noise conditions“
  • „Bonebridge – Quality of Life Study“
  •  „HEARRING Quality of Life Study”
  • „Outcome and long term results with the bone anchored hearing implant Bonebridge“
  • „ADHEAR sound localization, and speech perception “
  • „Evaluation of the subjective and objective music perception discrimination skills and self-awareness in elderly CI recipients before and after music therapy“
Fotos
Prim. Univ. Prof. Dr. Georg Mathias Sprinzl
Prim. Univ. Prof. Dr.
Georg Mathias Sprinzl
Foto: © Universitätsklinikum St. Poelten
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