News - November 2011
2. Landsteiner-Tag
Am 10. November 2011 veranstaltete unsere Gesellschaft im Palais Strudlhof in Wien den 2. Landsteiner-Tag. Wegen der großen Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts wurde das Thema des Vorjahres „Adipositas“ weitergeführt. Das überdurchschnittlich gut besuchte Symposium war nicht nur durch neun exzellente Kurzreferate, sondern auch durch fundierte Diskussionsbeiträge gekennzeichnet.
Nach Begrüßungsworten von Präsident Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz führte die Vizepräsidentin, Frau Univ. Prof. Dr. Hildegunde Piza-Katzer, in das Thema ein.
Univ. Prof. Dr. Elisabeth Ardelt-Gattinger, Psychologin und Adipositas-Expertin, Universität Salzburg, ging der Frage nach „Warum es so schwer ist, abzunehmen“. Sie verwies darauf, dass die Last der Verhaltensänderung vom „Makrosystem“ Gesellschaft auf das „Mikrosystem“ Familie verschoben wurde, wo es alleine nicht lösbar ist.
Mit „Kalorischer Restriktion und Langlebigkeit“ befasste sich Univ. Doz. Dr. Werner Zwerschke, Universität Innsbruck, Institute for Biomedical Aging Research. Seine Forschungsgruppe hat festgestellt: Kalorische Restriktion ohne Mangelernährung (Fastenkuren) kann den allgemeinen Gesundheitsstand in vormals adipösen Personen und sehr wahrscheinlich auch in normalgewichtigen Menschen verbessern. Möglicherweise kann diese Intervention auch den Alterungsprozess im Menschen verlangsamen und so gesundes Altern fördern.
Über Untersuchungen der Mitochondrienfunktion und Insulinsensitivität von gesunden Menschen und Patienten, unter Anwendung neuer nicht-invasiver Methoden, berichtete Dr. Julia Szendrödi Phd, Karl Landsteiner Institut für Endokrinologie und Stoffwechselkrankheiten Univ. Prof. Dr. Roden, Wien – Düsseldorf, in ihrem Beitrag über „Adipositas und Diabetes“. Adipositas und abnorme Mitochondrienfunktion können die Ursache der nicht-alkoholischen Fettleber darstellen.
Bis zu 70 % aller adipösen Patienten leiden an einer nicht-alkoholischen Fettleber (NAFLD), informierte Doz. Dr. Bernhard Angermayr, Karl Landsteiner Institut für Gastroenterologie und Hepatologie, St. Pölten, beim Thema „Adipositas und Leber“. Trotz neuer Therapien sind Gewichtsreduktion, Ausdauersport und optimales Diabetesmanagement immer noch Eckpfeiler der Behandlung.
In seinem Referat „Gesundheitsdialog Diabetes – Modernes Therapiemanagement für Diabetes-Patienten“ gab Direktor Werner Bogendorfer, Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau, Wien, in ein Telediabetesprojekt Einblick, das einen neuen Standard in der Behandlung chronischer Krankheiten setzen möchte.
Während Übergewicht früher oft als Verhaltensstörung abgetan wurde, hat die Entdeckung des Hormons Leptin 1994 der Adipositasforschung große Impulse gegeben. Das Hormon Ghrelin, erst seit wenigen Jahren bekannt, stammt aus dem Magen und Dünndarm und erhöht den Appetit, weihte Univ. Prof. Dr. Guenter Krejs, Universität Graz, die interessierten Zuhörer in neue Erkenntnisse zu „Adipositas und Hormone“ ein.
Der alters- und/oder krankheitsbedingte Verlust an Muskelmasse und -kraft, gemeinsam mit einer verringerten körperlichen Belastbarkeit wird als Sarkopenie bezeichnet. Univ. Prof. Dr. Michael Quittan, Karl Landsteiner Institut für Remobilisation und funktionale Gesundheit, Wien, machte in seinem Statement „Adipositas und Sarkopenie“ auf erste Hinweise aufmerksam, dass die Kombination von Muskelbeeinträchtigungen und Adipositas einen synergistischen Effekt auf die Entwicklung von gesundheitlichen Problemen habe.
Mit dem „Beratungsproblem Gewichtszunahme/ Adipositas in der Allgemeinmedizin“ beschäftigte sich Frau Dr. Waltraud Fink, Karl Landsteiner Institut für Systematik in der Allgemeinmedizin. Die Möglichkeiten der ärztlichen Einflussnahme sind bescheiden. Versuche, Patienten zu einer notwendigen Gewichtsabnahme zu motivieren, sie dabei zu unterstützen, sind selten von Erfolg gekrönt, musste sie konstatieren.
„Ist Übergewicht ein Risikofaktor für herz- und gefäßchirurgische Operationen?“ Dieser Frage stellte sich Univ. Doz. DDr. F. Rudolf Waldenberger, Karl Landsteiner Institut für Herz- und gefäßchirurgische Forschung, Wien. Er wies darauf hin, dass die Beurteilung der Adipositas als Gesundheitsrisiko differenzierter als bisher zu betrachten ist. Es hat sich gezeigt, dass übergewichtige Patienten bei schweren Erkrankungen eine reduzierte Mortalität haben verglichen mit sehr schlanken Personen. Auch in der Herzchirurgie mehren sich Publikationen, die zeigen, dass Adipositas kein Risikofaktor für eine Herzoperation ist und es so gesehen keinen Grund gibt, übergewichtige Patienten aus diesem Grund abzulehnen.
Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz
Univ. Prof. Dr. Hildegunde Piza-Katzer
Univ. Prof. Dr. Elisabeth Ardelt-Gattinger
Univ. Doz. Dr. Werner Zwerschke
Dr. Julia Szendrödi Phd
Doz. Dr. Bernhard Angermayr
Direktor Werner Bogendorfer
Univ. Prof. Dr. Guenter Krejs
Univ. Prof. Dr. Michael Quittan
Dr. Waltraud Fink
Univ. Doz. DDr. F. Rudolf Waldenberger


